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Der Schriftsteller zeigt ganz gut, dass ein öffentlich gewährtes Forum niemanden als intellektuelles Nullsummenspiel entlarvt, sondern ihm ganz im Gegenteil den »Eindruck von Seriosität« auch dann verleiht, wenn er noch so radikale Entblößungen vollzieht. Er mag nicht alle erreichen, aber doch die Brüder und Schwestern und die Cousins und Cousinen im Geiste, die ihn ohne die ihm gewährte Öffentlichkeit eventuell nie wahrgenommen hätten. Pirinçci erreicht mit seinem fäkalisierten Duktus auch nicht die Mitte der Gesellschaft. Nur werden sich auch dort »anständige Bürger« finden, die meinen, dass der Typ zwar irgendwie durchgeknallt sei, aber nicht ganz falsch tickt. Was Verwertbares zur Fütterung der »Ressentiments der Zeit« bleibt immer hängen. Interviews machen solche Trommler zitierfähiger als die Bücher, die sie geschrieben haben. Wer hat »Deutschland schafft sich ab« von Sarrazin bitteschön gelesen? Aber was er gesagt hat, das bleibt im Kopf. Denn was so ein »Outsider« an »Thesen« in komprimierter Form vorbringt, das wollen alle lesen. Es ist ja ganz und gar nicht so, dass das ZDF und der »Focus« Pirinçcis Ansichten irgendwie teilen würden. Aber spannend finden sie ihn, weil er Dinge sagt, die kein normal sozialisierter Mensch je sagen würde. Mit Aufklärung durch Selbstentlarvung hat das alles aber gar nichts zu tun. Dergleichen funktioniert nicht. Öffentliche Plattform ist öffentliche Plattform. Und auch wenn sich da jemand unmöglich benimmt, findet er immer weitere Anhänger, Anerkennung und ein bisschen was von der Aura eines soliden Gesprächspartners. Wer mit der Neuen Rechten spricht, der macht sie ungewollt glaubwürdiger.
17.04.2014: Bitte keine Gespräche mit »interessanten Gesprächspartnern« mehr! (neues-deutschland.de)
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Schweinderl